Kena Makeali he lao

(anlehnend an die Gesetze des Elferrates April 2008)

Morgengrauen. Wabernde Nebel, lichter werdend, ziehend. Das Leben erwachend, den Morgen begrüßend, wummernd, pfeifend, trillernd. Die Luft rein, klar, drückend, schwer von Wasser, Tau. Schwirrend im aufsteigenden Nebel Insekten, sirrend, glänzend, die Nacht überlebt, jetzt selbst Räuber oder wie auch in der Nacht Opfer. Teilnahme am großen Kreis des Lebens. Angelockt durch sie Vögel. Lärmend jagend, schnell und wendig, plump und abwartend, jeder nach seiner Bestimmung. Zu keiner Tageszeit spürt man die Götter mehr als in dieser Zeit. Wenn die Sonne ihre ersten Strahlen auf das wogende Meer, das blaue wie auch das grüne, legt, ist der Zauber vorbei.

Anders heute.

Am Strand hohe Feuer, lodernd, fressend, Flammen in den Himmel schlagend. Mit steigenden und fallenden Singsang die Kelui, prachtvoll geschmückt mit den Zeichen ihrer Gottheit. Barracuda, Anaconda, Piranha, Krokodil, Hai und Echse. Tanzend, immer dem gleichen Muster folgend, einhaltend immer den gleichen Abstand. Wiegend im Tanz. Singend. Betend.

Der Sand unberührt bis auf den Kreis, den die Tanzenden ziehen. Am Waldesrand wartend die Bewohner der einzelnen Dörfer. Ehrfurcht im Blick. Die Kinder nicht zu sehen. Nur mitunter linst eines am Rock der Mutter vorbei. Auch die Wartenden geschmückt, bemalt, die Zähne frisch geschwärzt. In vorderster Linie Männer, am ganzen Körper tätowiert, gewaltige Trommeln schlagend. Immer der selbe Takt, der Schlag des Herzens. Bummbumm, bummbumm, bummbumm, bummbumm....... Der Tanz der Kelui wird schneller, rasend fast. Der Herzschlag, die Trommeln schnell wie beim Höhepunkt der Jagd, der Lust. Die Wartenden unruhig, wiegend im Takt der Trommeln, dem Puls des Lebens. Dann, plötzlich Stille.

Die Kelui wie versteinert, auf dem getretenen Kreis stehend, jeder in einer Himmelsrichtung. Gezeichnet mit den Insignien des Gottes, dem sie geweiht. Die Wartenden treten auf den Strand, gruppieren sich um den Kreis ohne ihm zu Nahe zu kommen. Zwei Gassen bildend, wartend. Trommelschlag setzt wieder ein, die Wartenden erfassend. Dann endlich treten zwei Männer in je eine Gasse. Augenblicklich kommt Leben in die Menge. Tommeln, Zurufe, Gesang. Sich vor den Männern verneigend, preisend. Diese gewaltigen Erscheinungen, die mit wiegendem Schritt den Gang aus Leibern entlang schreiten, Drohgebärden in jede Richtung werfend. Ihre tätowierten Körper glänzend, die langen Haare kunstvoll verflochten nähern sie sich dem Kreis.

Die Musik verstummt wiederum, die Kelui werfen ihre Arme hoch " Kena Makeali!" schreien sie in die Stille. "Kena Makeali he lao!" antwortet die Menge schreiend, woraufhin die Kelui zurücktreten und den zwei Kontrahenten den Platz freigeben.

In absoluter Stille treten sich die Männer gegenüber. Sich präsentierend, mit gestrecktem Körper, wild mit den Augen rollend stellen sie sich zu ihrer Gottheit. Der eine zu dem Kelui des Hais, der andere zu dem des Krokodils. Aus der Menge treten Hului hinzu. Wild, einem inneren Rhythmus folgend umtanzen sie den jeweiligen Mann, spucken um ihn herum auf die Erde, ihn mit Farbe beschmierend, schmückend. Dann bekommt jeder von ihnen ein rohes Stück Fleisch gereicht, aus dem sie herzhaft Brocken herausrissen und gierig verschlingen. Das Blut tropft ihnen über das Kinn auf die Brust, sich mit der Farbe vermischend.

Die Hului treten zurück und die beiden Männer treten in den Kreis. Lauernd, abschätzend, sich umkreisend erraten sie die Schwächen des Gegenübers. Dann ein Schrei in die Stille: "Ku'un Cha'ka'lala!" und die Kontrahenden werfen ihre Leiber gegeneinander und versuchen den anderen aus dem Tritt zu bringen. Keuchend ringen sie miteinander, schwitzend, nicht nachlassend.

Lange währt der Kampf. Die Sonne steht schon am Himmel, wärmt die Körper, erhitzt den Sand. Noch immer stemmen sich die Kämpfer gegeneinander, ruhiger jetzt, abwartend. Schwitzend, Blut und Farben rinnend, sich noch und noch sammelnd, angreifend, wartend. Als die Sonne im Zenit steht werden um den Kreis herum Feuer entfacht. Die Wartenden außerhalb des Kreises haben sich niedergelassen und fangen an Fisch zu grillen. Aus dem Dschungel treten Frauen mit Körben und bringen Yams und Früchte.

Die Kämpfenden im Kreis zunehmend erschöpfter, schwächer. Doch keiner will weichen, ist der Preis doch so hoch. Durst, Fliegen, der Kopf drückend, wummernd. Dann endlich, in der größten Hitze schmeißt sich das Krokodil vor, stößt sein Gegenüber mit der letzten Kraft von sich und setzt nach. Verfehlt, der Andere ausweichend. Stolpernd, strauchelnd verlässt sein Fuß den Kreis. Vorbei!

Ohrenbetäubend der Jubel. Der Sieger, den Kreis verlassend, torkelnd vor Erschöpfung, vor Freude umgarnt, gepflegt.

Trommeln, Gesang. Feuerschein, von den Hütten wiederscheinend. Tanzende im Kreis, am Rand, in Ekstase. Auf einem erhöhten Platz sitzend, geschmückt, umsorgt, der Sieger des Kampfes. Auf seinem Haupt ragend der Federschmuck des Makeali. Nun wird er in das oberste Haus ziehen und über die Geschicke des Stammes entscheiden. Sein Wort wird Gesetz sein, dem sich alle zu beugen haben. Solange, bis ein neuer Herausforderer versuchen wird die
Stammesherrschaft zu übernehmen.

– Laola –